Wiederholte Fehlgeburten – Ist Ihr Körper bereit für Ihr Baby?

28.10.2016 von Dr. Christian Friedrich Stoll

Neue Wege in der Diagnostik und Therapie der wiederholten Fehlgeburten.

Eine Fehlgeburt (Abort) ist ein trauriges Ereignis für alle Paare, die sich ein gemeinsames Kind wünschen. Die erste Frage, die sich dabei häufig die Frau stellt ist: „Habe ich etwas falsch gemacht?“.

Die Wahrheit ist: eine Frau kann durch ihr Verhalten, z.B. Stress, berufliche Tätigkeit, aber auch Sex oder leichte sportliche Aktivität eine Fehlgeburt nicht herbeiführen.

Eine wiederholte Fehlgeburt wird medizinisch so definiert, dass es dreimalig nacheinander zu einem Abgang der Schwangerschaft gekommen ist. Man spricht dann von „habituellen Aborten“.

Die Ursachen hierfür sind komplex und erfordern eine umfangreiche Spezialdiagnostik. Im Kinder-wunschzentrum Berlin werden nun auch neue, innovative Wege der Abklärung bei wiederholten Fehlgeburten angeboten:

Klassische Abklärung:

  1. Organische Abklärung:
    Ausschluss von Auffälligkeiten der Gebärmutter und der Gebärmutterhöhle.
  2. Erbgutabklärung:
    Erstellung einer Chromosomenanalyse bei Mann und Frau um angeborenen erbliche (genetische) Störungen auszuschließen.
  3. Untersuchung des Gerinnungssystems:
    Bei einer erhöhten Blutgerinnungsneigung kann es zu kleine Thrombosen (Blutgerinnsel, die zu Gefäßverschlüssen führen können) in der Gebärmutterschleimhaut kommen, die die Schwangerschaft mangels Blutversorgung absterben lassen.
  4. Diagnostik zur Erkennung von Ursachen seitens des Mannes:
    Der Embryo ist nur so gut, wie die Ei – und Samenzelle aus der er entstanden ist. Eine vertiefende Abklärung der Samenzellqualität ist daher unabdingbar. Dazu gehören ein MSOME Spermiogramm unter dem hochauflösendem Mikroskop sowie die Kontrolle der Samenanalyse auf eine erhöhte Anzahl von Strangbrüchen in der DNA (HALO Sperm).

Neue Untersuchungsmethoden:

  1. Bestimmung immunologischen Faktoren:
    Das Immunsystem der Frau spielt eine große Rolle bei der Akzeptanz des Embryos in der Gebärmutter und dem mütterlichen Immunsystem. Eine Imbalance des Abwehrsystems der Mutter kann zu einer Abstoßung der Schwangerschaft führen.
  2. Nachweis erhöhter Killerzellen in der Gebärmutterschleimhaut oder im Blut:
    Mittels einer Biopsie an der Gebärmutterschleimhaut kann ein erhöhter Anteil natürlicher Killerzellen nachgewiesen werden. Ergänzend kann auch eine Testung im Blut erfolgen.
  3. Bestimmung des TH1/TH2 Indexes:
    Eine Imbalance des Abwehrsystems von „Schützen“ zu „Zerstören“  kann eine Fehlgeburt bedingen.
  4. Ausschluss von chronischen Entzündungen:
    Eine chronische Entzündung, die subjektiv gar nicht wahrgenommen wird,  oder der Nachweis von Chlamydia Heat Shock Proteinen kann ebenfalls den Abgang einer Schwangerschaft verursachen.
  5. Weiterführende Immundiagnostik:
    In einigen Fällen muss eine weiterführende Immundiagnostik mit Cytokin Profiling,  Bestimmung der Bestimmung der KIR Antigene, Crossmatch Test von Mann und Frau, etc. durchgeführt werden um die Ursache der wiederholten Fehlgeburt zu finden.

Neben der immunologischen Abklärung gibt es auch neue Wege in der Behandlung der wiederholten Fehlgeburten. Diese können z.B. von einer Cortison Gabe  bis hin zu neuen Therapieansätzen wie einer Partnerimmunisierung, Antikörpertherapie oder der Gabe von speziellen Wachstumsfaktoren reichen.

Bei der Abklärung der wiederholten Fehlgeburten gibt es in der Regel keine einfachen und schnellen Antworten und Therapieansätze. Die Abklärung dieser ausgesprochen komplexen Ereignisses  erfordert die intensive Zusammenarbeit von darauf spezialisierten Frauenärzten, Laborärzten, Humangenetikern und Immunologen.

Einen Termin in unserer Abortsprechstunde können Sie unter: 030/2639830 vereinbaren.

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