Endometriose, die unerkannte Krankheit….

24.07.2012 von Dr. Christian Friedrich Stoll

Endometriose ist eine der häufigsten gynäkologischen Erkrankungen während der geschlechtsreifen Lebensjahre. Etwa 10% aller Frauen erkranken in den Jahren zwischen Pubertät und Wechseljahren. Trotzdem wird sie eher selten und häufig erst sehr spät (im Mittel 7-10 Jahre nach erster Schmerzsymptomatik) diagnostiziert.

Die Endometriose kann auf dem Bauchfell, den Eileitern, den Eierstöcken, der Blase oder dem Darm und auch in der Gebärmutter vorkommen. Genau wie die normale Gebärmutterschleimhaut verändert sich auch die Endometriose während des Menstruationszyklus. Die Endometriose befällt meist den unteren Bauchraum / Beckenraum und häufig dabei auch die Eierstöcke.

Ausbreitungen auf Scheidenwand und Darm sind nicht selten, es wurden vereinzelt auch Herde in der Lunge und im Gehirn beobachtet. Die Schmerzen können dadurch entstehen, dass die Endometrioseherde in mit dem weiblichen Menstrualzyklus ebenfalls bluten, sich entzünden und auch vernarben.

Ursachen:

Woher kommt die Endometriose?

Eine allumfassende Erklärung, wie die Krankheit Endometriose entsteht, gibt es noch nicht. Während der Regelblutung (Menstruation) kommt es bei allen Frauen nicht nur zu einer Blutung aus der Scheide, sondern auch zu einer rückwärtsgerichteten sogenannten retrograden Menstruation, d.h. zu einer Blutung durch die Eileiter in den Bauchraum. Dieses Menstruationsblut enthält lebendige und damit einnistungsfähige (vitale) Gebärmutterschleimhautzellen.

Es besteht auch die Idee, dass diese Zellen eine Art Stammzellcharakter haben, so dass diese Zellen im Körper nicht abgebaut, sondern sich an einem anderen und somit für die Gebärmutterschleimhautzellen, fremden Ort ansiedeln können. An diesen Orten bilden sich dann Endometrioseherde.

Auch gibt es die Theorie, dass die Endometriose eine Erkrankung der Gebärmutter ist und die Endometriosezellen aus der tiefsten Schicht der Gebärmutterschleimhaut stammen und durch eine Art „ungeklärte Überbeweglichkeit“ (Hyperaktivität) des Gebärmuttermuskels oder durch kleinste Verletzungen. Diese Zellen werden dann aus dem Zellverband gelöst und gelangen in den Bauchraum, indem sie anwachsen.

Schließlich spielen Hormone und das Immunsystems eine nicht zu unterschätzende Rolle. Auch geht man von einer gewissen Erblichkeit der Endometriose aus, da es eine familiäre Häufung gibt. Das jeweilige Risiko steigt, wenn bereits Verwandte ersten Grades, also z.B. die Mutter oder eine Schwester, an Endometriose erkrankt sind.

Von Wissenschaftlern werden auch Umwelthormone wie beispielsweise PCB, DDT oder Dioxine für eine Häufigkeitszunahme dieser Erkrankung verantwortlich gemacht. Diese Substanzen wirken ähnlich wie das Hormon Östrogen und könnten damit eventuell das endokrine System bereits während der vorgeburtlichen Phase durcheinander bringen.

Symptome:

Welche Beschwerden macht Endometriose?

Das Endometriosegewebe ist wie die Gebärmutterschleimhaut von weiblichen Geschlechtshormonen Östrogen bzw. Gestagen abhängig und wird durch diese beeinflusst. Damit lässt sich auch erklären, warum endometriosetypische Symptome, vor allem kurz vor oder während der Monatsblutung auftreten.

Typische Beschwerden bei Endometriose sind: Krampfartige bis unerträgliche Regelschmerzen, chronische Bauch- und Rückenschmerzen, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und sogar Schmerzen beim Stuhlgang oder beim Wasser lassen. Viele Endometriose-Patientinnen benötigen Schmerzmittel.

Viele Endometriosepatientinnen leiden unter unerfülltem Kinderwunsch (Unfruchtbarkeit). Ursache hierfür sind die muskuläre Überaktivität der Gebärmutter mit der Folge einer verkürzten Verweildauer der Spermien im Eileiter, ggf. eine Besiedlung der Eileiter mit Endometrioseherden und den damit verbundenen eingeschränkte Funktionsfähigkeit der Eileiter, die reduzierte Eierstockaktivität bei Endometriosezysten im Eierstock, und natürlich auch endometriosebedingte Verwachsungen im Unterbauch.

Auch spielt das Immunsystem eine Rolle. So kommt es als Nebeneffekt der Gebärmutterüberaktivität zu einer vermehrten Anhäufung von „genetisch fremden“ Spermien in der Bauchhöhle und einer Überaktivierung des Immunsystems. Auch wird das Immunsystem durch die "chronischen Entzündung", dauernd gereizt.

Teilweise wird erst im Rahmen der Ursachenforschung bei unerfülltem Kinderwunsch zum ersten Mal eine Endometriose diagnostiziert.

Endometriose kann starke Schmerzen auslösen aber es ist auch möglich, dass die Endometriose über Jahre einen schmerzfreien Verlauf hat und demzufolge sehr spät erkannt wird.

Behandlung der Endometriose:

Operationen:

Häufig muss zunächst eine Bauchspiegelung (Laparoskopie) durchgeführt werden. Diese dient zur Diagnostik, aber auch zugleich zur Therapie, da bei der Operation die Endometrioseherde und Verwachsungen häufig entfernt werden können. Zudem können bei Kinderwunschpatientinnen während der Operation auch die Eileiter auf Durchgängigkeit überprüft werden. Häufig kommt es durch die operative Sanierung zu einer wesentlichen Schmerzerleichterung. In schwersten Fällen ohne Kinderwunsch kann unter Umständen erst die Entfernung der Gebärmutter und vor allem der Eierstöcke definitive Linderung bringen. Dies führt jedoch leider zu einer verfrühten Menopause, mit den damit verbundenen bekannten Problemen.

Hormonbehandlung:

Teilweise muss eine hormonelle Anschlussbehandlung durchgeführt werden, damit die verbliebenen Endometrioseherde austrocknen können. Dies Therapie muss aber genau überwacht werden, weil es dabei auch Symptome und Probleme wie bei der Menopause wie Abbau der Knochendichte (Osteoporose), Hitzewallungen und Schlafstörungen gibt. Neben der operativen Entfernung der Endometrioseherde können die Herde auch mit einer Hormontherapie ruhiggestellt werden, z.B. mit Gestagenen wie der Minipille und der 3-Monats-Spritze oder der "normalen" Pille (aber ohne Pause eingenommen).

Zusätzliche Behandlungsmaßnahmen:

Komplimentäre Behandlungsverfahren, wie Akupunktur oder traditionelle chinesische Medizin bzw. Naturheilverfahren helfen den sehr unter Stress und Druck stehenden Patientinnen ebenfalls. Diese Verfahren unterstützen die medizinischen Behandlungsansätze. Studienvalidierte Daten zu homöopathischer Behandlungen gibt es nicht. Rückfälle sind bei allen Behandlungsmethoden nicht selten.

Schmerztherapie:

Symptomatisch können die Schmerzen mit Acetylsalicylsäure, Buscopan, Diclofenac, Ibuprofen, Naproxen oder weiteren COX-Hemmern behandelt werden.

Ernährungsumstellung:

Nach Meinung der britischen Endometriosevereinigung kann das Leiden ggf. durch eine Ernährungsumstellung gelindert werden. Dabei soll es helfen, auf Milch, Milchprodukte und Weizen zu verzichten, viel frisches Obst und Gemüse, kaltgepresste Öle wie Nachtkerzenöl, Leinöl, Olivenöl, dazu fetten Seefisch (Omega-3-Fettsäuren) zu essen.


Vorgehen beim Besuch im Endometriosezentrum Berlin:

Am Anfang steht das ausführliche Gespräch mit dem Arzt mit genauer Krankheitsgeschichtenerhebung (Anamnese).

Es folgt die gynäkologische Untersuchung. Die Zuordnung der typischen Symptome führt schließlich zur Verdachtsdiagnose.

Die Ultraschalluntersuchung oder ggf. auch später andere bildgebende Verfahren wie Computertomographie und MRT werden ebenfalls zur Diagnostik eingesetzt.

Die definitive Diagnose der Endometriose gelingt jedoch nur durch eine Bauchspiegelung (Laparoskopie) und anschließender Untersuchung der Gewebeproben.

 

Für mehr Informationen zu dem Thema besuchen Sie die Webseite
http://www.endometriosezentrum-berlin.de

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